Klosteraufenthalt

Eine Unterrichtsstunde mit Frau Wiktorski

Am 04.03.21 kam die Lektorin Désirée Wiktorski, die in dem überkonfessionellen Verlag Gerth Medien Buchprojekte über verschiedene christliche Glaubensrichtungen und bewegende Lebensgeschichten betreut, in den Ethikkurs von Herr Dr. Fuad Alidoust (zusammengesetzt aus Schülern und Schülerinnen der Klassen 7b,c,d).

Im Rahmen unseres Reihenthemas, ,,Die Weltreligionen“, hatten wir uns in einer Online-Recherche auch mit dem Christentum beschäftigt. Es ergaben sich mehrere interessante Fragen und so kam die Idee auf, diese Fragen mit einer Person zu besprechen, die viel über das Thema weiß und vor allem selbst Erfahrungen damit gesammelt hat. In der Videokonferenz mit Frau Wiktorski konnten wir dann viele verschiedene Fragen stellen, was sehr aufregend und interessant war. Hier folgt ein Auszug aus der Unterhaltung:

Ethikkurs: Wieso dürfen Frauen keine Priesterinnen werden?

Désirée Wiktorski: In der katholischen Kirche orientiert man sich noch stark an der Vorstellung, dass die Jünger beziehungsweise die Apostel Stellvertreter Jesu waren. Und da sie alle Männer waren, will man diese Tradition weiterführen. Allerdings gab es auch viele Frauen, die Jesus nachgefolgt sind und später von ihm erzählt haben. So zeigte sich Jesus nach seiner Auferstehung sogar zuerst zwei Frauen. Dadurch wird deutlich, dass Jesus selbst Männer nicht bevorzugte. Für ihn sind Mann und Frau absolut gleichwertig.

Ethikkurs: Gibt es mehr katholische oder evangelische Christen?

DW: Es gibt mehr weitaus mehr katholische Christen, da die katholische Kirche wesentlich älter als die evangelische ist und allein deshalb (noch) mehr Anhänger hat.

Ethikkurs: Wie ist die Dreifaltigkeit zu verstehen? Ist Jesus sozusagen ein Gott?

DW: Die Dreifaltigkeit ist nur sehr schwer zu verstehen, aber lässt sich am einfachsten so beschreiben: Der Vater ist der Gott über uns, der Sohn (Jesus Christus) ist der Gott, der unter uns war, und der Heilige Geist ist der Gott, der in jedem Gläubigen wirkt. Der Vater ist nicht der Sohn, der Sohn ist nicht der Heilige Geist und der Heilige Geist ist nicht der Vater, aber alle drei sind vollwertig Gott und haben denselben Charakter, dasselbe Wesen. Und dieses Wesen ist pure Liebe. Jesus ist deshalb ganz Gott, auch wenn er, als er auf der Erde kam, gleichzeitig ganz Mensch war. Ein gutes Beispiel für Dreieinigkeit ist auch der Raum: Die Höhe ist nicht die Breite, die Breite ist nicht die Länge und die Länge ist auch nicht die Höhe, aber alles zusammen ergibt denselben Raum.

Ethikkurs: Engagieren sich Christen überhaupt für den Umweltschutz?

DW: Es gibt sehr viele unterschiedliche Konfessionen und Strömungen innerhalb der Christenheit, deshalb kann man das so allgemein nicht sagen, aber es gibt durchaus Christen, die sich sehr für den Umweltschutz engagieren. Und ich persönlich finde, das ist auch sehr biblisch. Denn im Schöpfungsbericht gibt Gott den Menschen den Auftrag, die Erde zu „bewahren und zu verwalten“. Die ganze Erde ist somit ein wertvolles Geschenk Gottes an uns Menschen, mit dem wir entsprechend gut umgehen sollen.

Ethikkurs: Wie war es im Kloster zu sein? Was macht ein solcher Aufenthalt mit Ihnen?

DW: Ich bin bisher meistens dann für eine Woche oder ein paar Tage ins Kloster gegangen, wenn ich vor einer wichtigen Entscheidung stand und Gottes Meinung dazu wissen wollte, oder wenn ich einfach Ruhe brauchte und mich danach gesehnt habe, dass Gott mir wieder neue Kraft schenkt und mein Herz berührt und erfrischt. Jeder einzelne Klosteraufenthalt war sehr wertvoll für mich, weil ich immer wieder erlebt habe, wie wenig ich eigentlich brauche, wenn ich mich ganz auf Gott einlasse. Denn in diesen Zeiten habe ich ganz viel Frieden und innere Ruhe geschenkt bekommen! Außerdem wurden mein Glaube und mein Vertrauen in Gott gestärkt, sodass ich dann wieder „aufgetankt“ in meinen Alltag zurückkehren konnte. Für mich sind es Zeiten, in denen ich mich auf das Wesentliche konzentrieren konnte: Auf Gott und mich selbst – und vor allem auf seine große und bedingungslose Liebe zu mir, die mich dann auch „im normalen Leben“ stärkt.  

Wir hatten noch viele andere Fragen, die uns von Frau Wiktorski ausführlich beantwortet wurden, und sie hat uns dabei auch gute, weil anschauliche Beispiele genannt. Außerdem wurde uns der Film ,,Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ (ab 12 Jahren) empfohlen und ihr Podcast „Zwischen Himmel und Herz“, den sie zusammen mit einer Freundin macht. Insgesamt hatten wir alle eine angenehme und unterhaltsame Zeit. Im Nachgang haben wir im Ethikkurs über den Besuch reflektiert und überlegt, ob wir auch zu den anderen Religionen mit Gästen ins Gespräch kommen können, vielleicht sogar mit mehreren, sodass verschiedene Standpunkte ausgetauscht werden können.

Text verfasst von Clementine Mönch und Luisa-Mavie Gottwald, Zeichnungen von Emelie Littig und Zhanset Emurla

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